Der patagonische Sommer zeigt sich im Januar von seiner strahlendsten Seite, und es gibt kaum einen Ort auf diesem Planeten, der Familien mehr Naturwunder auf einen Schlag bietet als der Torres del Paine Nationalpark. Während in Europa der Winter seinen Höhepunkt erreicht, herrschen hier in der chilenischen Wildnis die längsten Tage des Jahres – perfekt, um mit Kindern auf Entdeckungsreise zu gehen, ohne sich Gedanken über frühe Dämmerung machen zu müssen. Die berühmten Granitspitzen, die dem Park seinen Namen geben, erheben sich majestätisch über türkisfarbene Seen, während Guanakos gemächlich an den Wegen grasen und Kondore über schroffen Felsen kreisen. Ein Wochenende mag kurz erscheinen, doch mit der richtigen Planung wird diese Reise zu einem unvergesslichen Abenteuer für die ganze Familie.
Warum der Januar die beste Reisezeit für Familien ist
Der chilenische Sommer verwandelt Torres del Paine in ein zugängliches Paradies. Die Temperaturen bewegen sich zwischen 10 und 20 Grad Celsius – ideal für Wanderungen mit Kindern, die weder in der Hitze schwitzen noch in der Kälte frieren müssen. Die Tage dehnen sich bis fast 22 Uhr aus, was bedeutet, dass auch nach einem ausgiebigen Mittagessen noch genügend Zeit für Erkundungen bleibt. Die Wildblumen blühen in voller Pracht, und die Tierwelt ist besonders aktiv. Vergesst nicht, dass die patagonischen Winde auch im Sommer wehen können – mehrschichtige Kleidung ist unverzichtbar, aber die stabilen Wetterbedingungen machen den Januar zum verlässlichsten Monat für Familienausflüge.
Die Highlights, die ihr nicht verpassen dürft
Lago Grey und die schwimmenden Eisberge
Der Lago Grey ist ein Spektakel, das selbst die jüngsten Familienmitglieder in Staunen versetzt. Vom Ufer aus könnt ihr beobachten, wie bläulich schimmernde Eisberge gemächlich auf dem milchig-türkisfarbenen Wasser treiben – abgebrochen vom gleichnamigen Gletscher, der sich im Hintergrund ausbreitet. Der Weg zum Aussichtspunkt ist relativ einfach und kinderfreundlich. Plant etwa zwei Stunden für die gesamte Strecke ein, wobei die Kleinen zwischendurch Steine ins Wasser werfen und die außergewöhnliche Landschaft bestaunen können.
Salto Grande – der donnernde Wasserfall
Nur 15 Gehminuten vom Parkplatz entfernt liegt einer der beeindruckendsten Wasserfälle Patagoniens. Das türkisblaue Wasser des Lago Nordenskjöld stürzt hier tosend in die Tiefe, bevor es seinen Weg zum Lago Pehoé fortsetzt. Die kurze Distanz macht diesen Ausflug perfekt für Familien mit kleineren Kindern. Die Aussichtsplattformen bieten sichere Positionen für Fotos, und der Anblick der Torres im Hintergrund, gerahmt von wildem Wasser, ist schlichtweg atemberaubend.
Laguna Azul – das unterschätzte Juwel
Während die meisten Besucher zu den bekannteren Spots strömen, bleibt die Laguna Azul oft überraschend ruhig. Dieser kristallklare See mit direktem Blick auf die Torres-Spitzen ist ideal für ein entspanntes Picknick. Kinder können am Ufer spielen, Steine sammeln und mit etwas Glück Guanakos beobachten, die zum Trinken kommen. Die Spiegelung der Berge im stillen Wasser ergibt Fotos, die ihr noch Jahre später bewundern werdet.
Praktische Tipps für kostenbewusste Familien
Anreise und Fortbewegung
Von Puerto Natales, der nächstgelegenen Stadt, sind es etwa 112 Kilometer bis zum Parkeingang. Ein Mietwagen bietet die größte Flexibilität und ist für Familien die wirtschaftlichste Option, besonders wenn ihr die Kosten durch eine längere Anmietung optimiert. Rechnet mit etwa 50 bis 70 Euro pro Tag für einen geländetauglichen Wagen. Geteilte Shuttle-Busse sind mit rund 15 bis 20 Euro pro Person und Strecke günstiger, binden euch aber an feste Zeiten. Wer über ein Wochenende anreist, sollte bedenken, dass die Fahrzeit vom Flughafen Punta Arenas bis Puerto Natales etwa drei Stunden beträgt – plant also eine Übernachtung in Puerto Natales vor der Weiterfahrt ein.

Unterkunft: Komfort ohne Luxuspreise
Die Unterkünfte im Park selbst gehören zu den teuersten Optionen in ganz Chile. Familien mit Budget sollten in Puerto Natales übernachten, wo einfache Gästehäuser ab 60 Euro pro Nacht für ein Familienzimmer verfügbar sind. Einige bieten Gemeinschaftsküchen, in denen ihr Frühstück und Lunchpakete selbst zubereiten könnt – eine erhebliche Ersparnis gegenüber den Restaurantpreisen. Wer das authentische Patagonien-Erlebnis sucht und über entsprechende Ausrüstung verfügt, findet im Park mehrere Campingplätze. Die preiswertesten staatlichen Plätze kosten etwa 8 Euro pro Person und Nacht, bieten aber nur Grundausstattung. Für Familien mit Kindern sind die besser ausgestatteten Plätze mit Duschen und Toiletten empfehlenswerter, auch wenn sie mit 25 bis 35 Euro pro Nacht teurer sind.
Verpflegung: Clever sparen ohne Verzicht
Im Park sind die Preise astronomisch – ein einfaches Sandwich kann 10 Euro kosten. Kauft deshalb bereits in Puerto Natales ein. Die Supermärkte dort bieten alles, was ihr für ein Wochenende benötigt. Brot, Käse, Aufschnitt, Obst und Müsliriegel sollten auf eurer Liste stehen. Vergesst nicht, ausreichend Wasser mitzunehmen, auch wenn das Gletscherwasser in den Bächen technisch trinkbar ist – mit Kindern möchtet ihr vielleicht auf Nummer sicher gehen. Thermokannen mit heißem Tee oder Kakao sind im wechselhaften patagonischen Wetter Gold wert und kosten in der Vorbereitung nur Cents.
Insider-Tipps für ein gelungenes Familienwochenende
Startet jeden Tag früh. Nicht nur, weil die Morgenstunden oft die windstillsten sind, sondern auch, weil die Tierwelt dann am aktivsten ist. Kondore kreisen häufig in den ersten Sonnenstunden, und Guanakos mit ihren Jungtieren grasen bevorzugt am frühen Morgen. Der Parkeintritt kostet für internationale Besucher etwa 30 Euro für Erwachsene, Kinder zahlen ungefähr 10 Euro. Das Ticket gilt für mehrere Tage – bewahrt es gut auf.
Packt unbedingt eine Windjacke für jedes Familienmitglied ein, auch wenn der Morgen ruhig beginnt. Die berüchtigten patagonischen Winde können innerhalb von Minuten aufziehen und erreichen nicht selten Geschwindigkeiten von 70 Stundenkilometern. Das macht Wanderungen anstrengender, aber auch zu einem echten Abenteuer, das Kinder oft erstaunlich gut meistern, wenn sie richtig gekleidet sind.
Die Infrastruktur im Park ist exzellent ausgebaut. Die Hauptstraßen sind gut befahrbar, und die Wanderwege zu den familienfreundlichen Zielen sind klar markiert. Trotzdem solltet ihr eine detaillierte Karte mitnehmen – der Handyempfang ist im gesamten Park praktisch nicht vorhanden. Diese digitale Auszeit wird euren Kindern helfen, sich vollständig auf die Natur einzulassen.
Was ihr sonst noch erleben könnt
Die Cueva del Milodón, etwa auf halber Strecke zwischen Puerto Natales und dem Park, ist eine riesige Höhle, in der vor Jahrtausenden Riesenfaultiere lebten. Der kurze Spaziergang hinein ist für Kinder spannend und lehrreich zugleich. Der Eintritt liegt bei etwa 5 Euro für Erwachsene und 2 Euro für Kinder – eine preiswerte Ergänzung zum Programm.
Torres del Paine im Januar mit der Familie zu besuchen bedeutet, gemeinsam eine der spektakulärsten Landschaften der Erde zu erleben, ohne dabei das Reisebudget zu sprengen. Die Kombination aus leicht zugänglichen Naturwundern, exzellenter Infrastruktur und der schieren Erhabenheit der patagonischen Wildnis macht dieses Wochenende zu einem Erlebnis, das eure Kinder noch erzählen werden, wenn sie längst selbst Eltern sind. Die lange Anreise wird durch jeden Moment belohnt, in dem ihr gemeinsam vor einem türkisfarbenen See steht, während die Granitgiganten über euch in den endlosen patagonischen Himmel ragen.
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