Wer ein iPhone besitzt, kennt das Phänomen vielleicht: Mit der Zeit fühlt sich das Gerät träger an, Apps öffnen sich langsamer, und selbst alltägliche Aufgaben dauern plötzlich länger. Während viele Nutzer vermuten, dass neue iOS-Updates oder zu viele Apps die Ursache sein könnten, liegt der wahre Grund häufig an einer ganz anderen Stelle – der Batterie. Apple hat nämlich eine clevere, aber durchaus kontrovers diskutierte Funktion in seine iPhones eingebaut, die automatisch die Leistung drosselt, wenn die Batterie an Kapazität verliert.
Das versteckte Leistungsmanagement von Apple
Mit iOS 10.2.1 führte Apple eine Funktion ein, die offiziell als Leistungsmanagement bezeichnet wird. Der Hintergrund ist technisch nachvollziehbar: Lithium-Ionen-Akkus verlieren mit zunehmendem Alter ihre Fähigkeit, Spitzenlasten zu bewältigen. Wenn eine gealterte Batterie plötzlich viel Energie liefern muss – etwa beim Starten einer rechenintensiven App oder bei der Kameranutzung – kann die Spannung kurzzeitig so stark abfallen, dass sich das iPhone unerwartet abschaltet.
Um genau diese frustrierenden Spontan-Abschaltungen zu verhindern, greift Apple zur Notbremse und drosselt die Prozessorleistung um etwa 15 Prozent. Das iPhone läuft dann zwar stabiler, aber eben auch merklich langsamer. Diese Maßnahme geschieht völlig automatisch im Hintergrund, ohne dass Nutzer aktiv darüber informiert werden – zumindest nicht offensichtlich.
Die Kontroverse um die heimliche Drosselung
Als diese Praxis über Weihnachten 2017 bekannt wurde, entbrannte eine heftige Debatte. Viele Nutzer fühlten sich getäuscht und vermuteten, Apple würde absichtlich ältere Geräte ausbremsen, um Käufer zum Upgrade auf neuere Modelle zu bewegen. Der Vorwurf der geplanten Obsoleszenz stand im Raum. Apple reduzierte Kosten auf 29 Euro und reagierte mit Erklärungen, Entschuldigungen und vergünstigten Batterieaustauschprogrammen. Die Kosten für einen Batteriewechsel wurden damals von 89 Euro gesenkt.
Aus technischer Sicht ergibt Apples Ansatz durchaus Sinn: Ein gedrosseltes, aber funktionierendes iPhone ist für die meisten Nutzer besser als ein Gerät, das sich mehrmals täglich unerwartet ausschaltet. Problematisch war vor allem die mangelnde Transparenz – hätten Nutzer früher von dieser Funktion gewusst, hätten sie gezielt nach Lösungen suchen können, statt frustriert ein neues Gerät zu kaufen.
So überprüfst du den Batteriezustand deines iPhones
Apple hat mittlerweile nachgebessert und bietet eine Möglichkeit, den Zustand der Batterie direkt im System einzusehen. Der Weg dorthin ist denkbar einfach:
- Öffne die Einstellungen deines iPhones
- Scrolle zu Batterie
- Bei iPhone 14 und älteren Modellen: Tippe auf Batteriezustand & Ladevorgang
- Bei iPhone 15 und neueren Modellen: Tippe auf Laden
Hier findest du zwei wichtige Informationen: Die maximale Kapazität zeigt an, wie viel Prozent der ursprünglichen Batteriekapazität noch vorhanden ist. Ein neues iPhone hat hier 100 Prozent. Mit der Zeit sinkt dieser Wert natürlicherweise. Unter Spitzenleistungsfähigkeit erfährst du, ob dein iPhone das Leistungsmanagement bereits aktiviert hat. Liegt die maximale Kapazität unter etwa 80 Prozent, wird Apple typischerweise eine Service-Empfehlung aussprechen.
Wann das Leistungsmanagement tatsächlich eingreift
Die automatische Drosselung aktiviert sich nicht sofort bei einer leicht gealterten Batterie. Apple hat mehrere Bedingungen festgelegt, die erfüllt sein müssen. Das Leistungsmanagement springt erst an, wenn das iPhone sich mindestens einmal unerwartet wegen Batterieproblemen ausgeschaltet hat. Erst dann greift das System vorbeugend ein.

Ist das Leistungsmanagement aktiv, erscheint in den Einstellungen unter Batteriezustand eine entsprechende Meldung. Dort wird auch erklärt, dass die Leistung des iPhones verwaltet wird, um unerwartete Abschaltungen zu verhindern. Mit iOS 11.3 führte Apple die Möglichkeit ein, die Drosselung zu deaktivieren – allerdings auf eigenes Risiko. Wer diese Option wählt, muss mit spontanen Abstürzen rechnen, erhält aber die volle Prozessorleistung zurück. Nach jedem weiteren unerwarteten Abschaltereignis aktiviert sich die Funktion jedoch automatisch wieder.
Batterietausch als Lösung
Die gute Nachricht: Die Leistungsdrosselung ist nicht permanent. Ein Austausch der Batterie gegen eine neue kann die ursprüngliche Performance vollständig wiederherstellen. Nach dem Batteriewechsel erkennt das System die neue, leistungsfähige Energiequelle und hebt die Drosselung auf. Das iPhone läuft dann wieder mit seiner vollen Geschwindigkeit.
Für den Batterietausch gibt es mehrere Optionen. Apple selbst bietet den Service an – entweder über Apple Stores, autorisierte Service-Provider oder per Einsendung. Die Kosten variieren je nach iPhone-Modell und können sich über die Jahre ändern. Wer noch AppleCare+ hat, kann unter Umständen einen kostenlosen Austausch erhalten, wenn die Kapazität unter 80 Prozent gefallen ist.
Alternativ können auch Drittanbieter die Batterie wechseln, oft zu günstigeren Preisen. Hier sollte man jedoch vorsichtig sein: Minderwertige Batterien können nicht nur die Leistung beeinträchtigen, sondern im schlimmsten Fall auch Sicherheitsrisiken darstellen. Zudem kann ein Batteriewechsel durch nicht autorisierte Werkstätten die Garantie oder bestehende AppleCare-Verträge beeinflussen.
Weitere Faktoren, die die iPhone-Leistung beeinflussen
Während die Batterie eine zentrale Rolle spielt, gibt es weitere Aspekte, die die Geschwindigkeit beeinflussen können. Voller Speicher bremst das System aus, da iOS weniger Platz für temporäre Dateien und Caching hat. Auch Hintergrund-Apps, die ständig aktiv sind, ziehen Ressourcen ab. Manchmal hilft schon ein simpler Neustart, um angesammelte Prozesse zu beenden und dem System frische Luft zu verschaffen. Auch das Zurücksetzen aller Einstellungen kann Wunder wirken, ohne dass persönliche Daten verloren gehen.
Vorbeugung und optimale Batteriepflege
Um die Batterie möglichst lange gesund zu halten, gibt es einige bewährte Praktiken. Extreme Temperaturen sollten vermieden werden – sowohl Hitze als auch Kälte setzen Lithium-Ionen-Akkus zu. Das Laden über Nacht mit aktivierter Funktion Optimiertes Laden der Batterie schont die Batterie erheblich, da iOS den Ladevorgang intelligent steuert. Diese Funktion ist standardmäßig bei der iPhone-Einrichtung aktiviert und reduziert die Zeit, in der das iPhone vollständig geladen ist.
Wer sein iPhone längere Zeit nicht nutzt, sollte es bei etwa 50 Prozent Ladung lagern. Vollständig entladene oder dauerhaft vollgeladene Batterien altern schneller. Auch das Vermeiden von Schnellladung, wenn keine Eile besteht, kann die Lebensdauer verlängern. Die automatische Helligkeitsanpassung und das Deaktivieren von Hintergrundaktualisierungen für selten genutzte Apps reduzieren die Belastung. Je weniger die Batterie strapaziert wird, desto länger behält sie ihre Kapazität.
Wer sein iPhone proaktiv pflegt und den Batteriezustand im Auge behält, kann rechtzeitig handeln, bevor die Leistungsdrosselung zum Problem wird. Ein Blick in die Einstellungen alle paar Monate reicht aus, um böse Überraschungen zu vermeiden und das volle Potenzial des Geräts dauerhaft zu nutzen.
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