Wer seinen Mac liebt, der kümmert sich um Backups – so weit, so logisch. Time Machine macht das Ganze theoretisch zum Kinderspiel: Festplatte anschließen, bestätigen und fertig. Doch genau hier lauert eine Falle, die selbst erfahrene Mac-Nutzer immer wieder unterschätzen. Das Problem beginnt nicht etwa mit komplizierten Einstellungen, sondern bereits mit dem Dateisystem der externen Festplatte. Eine nicht formatierte oder falsch formatierte Festplatte kann zum Albtraum werden – fehlgeschlagene Backups, korrupte Daten oder im schlimmsten Fall kompletter Datenverlust sind die Folge.
Das unterschätzte Risiko: Wenn die Festplatte nicht Mac-kompatibel ist
Die meisten externen Festplatten kommen ab Werk mit einem Windows-freundlichen Dateisystem daher, typischerweise exFAT oder NTFS. Das ist praktisch für die Kompatibilität mit verschiedenen Betriebssystemen, aber absolut ungeeignet für Time Machine. Viele Nutzer schließen ihre brandneue Festplatte an, klicken auf „Als Backup-Volume verwenden“ und wundern sich Wochen später, warum das Backup fehlgeschlagen ist oder gar nicht erst angelegt wurde.
Der Knackpunkt: Time Machine benötigt zwingend entweder APFS (Apple File System) oder Mac OS Extended (Journaled), auch bekannt als HFS+. Ohne eines dieser beiden Formate kann Time Machine seine Arbeit schlichtweg nicht verrichten. Das System wird zwar nicht sofort mit einer Fehlermeldung aufschreien, aber früher oder später stößt man auf Probleme – und dann ist guter Rat teuer.
Warum das Dateisystem für Backups entscheidend ist
Time Machine arbeitet mit einer speziellen Backup-Strategie: Es erstellt automatische Snapshots eures Systems in regelmäßigen Abständen. Diese Momentaufnahmen werden durch Hard Links und Metadaten-Strukturen effizient verwaltet, um Speicherplatz zu sparen. Nur Mac-native Dateisysteme unterstützen diese Mechanismen vollständig.
APFS wurde mit macOS High Sierra eingeführt und ist für SSDs und moderne Flash-Speicher optimiert. Es bietet bessere Performance, Verschlüsselung und Snapshot-Funktionen. Mac OS Extended hingegen ist der bewährte Standard, der seit Jahrzehnten zuverlässig funktioniert – besonders bei rotierenden Festplatten (HDDs) zeigt es nach wie vor seine Stärken.
APFS oder Mac OS Extended – was ist die richtige Wahl?
Hier kommt es auf eure Hardware an. Nutzt ihr eine SSD als Backup-Medium, ist APFS die erste Wahl. Die Vorteile liegen auf der Hand: schnellere Backup-Vorgänge, native Verschlüsselung und optimierte Speicherverwaltung. Bei traditionellen Festplatten (HDDs) funktioniert APFS zwar auch, aber Mac OS Extended ist hier oft die stabilere und bewährtere Option.
Ein weiterer Aspekt: Wenn ihr noch einen älteren Mac mit macOS vor High Sierra betreibt oder plant, auf einem älteren System wiederherzustellen, solltet ihr unbedingt Mac OS Extended wählen. APFS-Volumes sind auf diesen Systemen nicht lesbar, da das neuere Dateisystem erst ab macOS 10.13 unterstützt wird.
So prüft ihr das aktuelle Format eurer Festplatte
Bevor ihr blindlings eine Festplatte für Time Machine nutzt, solltet ihr einen kurzen Check durchführen. Öffnet das Festplattendienstprogramm, das ihr im Ordner „Programme“ unter „Dienstprogramme“ findet. In der linken Spalte seht ihr alle angeschlossenen Laufwerke.
Klickt auf eure externe Festplatte – achtet dabei darauf, dass ihr das Volume und nicht den physischen Datenträger auswählt. Rechts im Hauptfenster findet ihr unter „Format“ die entscheidende Information. Steht dort „APFS“ oder „Mac OS Extended (Journaled)“, seid ihr auf der sicheren Seite. Lest ihr hingegen „ExFAT“, „MS-DOS (FAT32)“ oder „NTFS“, müsst ihr formatieren, bevor ihr Time Machine nutzen könnt.
Die richtige Formatierung: Schritt für Schritt
Formatieren klingt technisch und abschreckend, ist aber in wenigen Minuten erledigt. Wichtig: Beim Formatieren werden alle Daten auf der Festplatte gelöscht. Habt ihr bereits wichtige Dateien darauf gespeichert, sichert diese vorher an einem anderen Ort.

Festplatte formatieren mit dem Festplattendienstprogramm
- Öffnet das Festplattendienstprogramm und wählt eure externe Festplatte in der Seitenleiste aus
- Klickt oben auf den Button „Löschen“ – keine Sorge, der Name ist irreführend, es geht um das Formatieren
- Gebt der Festplatte einen aussagekräftigen Namen wie „Time Machine Backup“
- Wählt als Format entweder „APFS“ oder „APFS (verschlüsselt)“ für SSDs, oder „Mac OS Extended (Journaled)“ für HDDs
- Bei Schema wählt ihr „GUID-Partitionstabelle“ aus
- Klickt auf „Löschen“ und wartet, bis der Vorgang abgeschlossen ist
Nach wenigen Minuten ist eure Festplatte einsatzbereit. Jetzt könnt ihr Time Machine öffnen und die Festplatte als Backup-Volume auswählen – diesmal mit der Gewissheit, dass es auch wirklich funktioniert.
Verschlüsselung nicht vergessen: Sicherheit geht vor
Hier ein Tipp, den viele übersehen: Time Machine bietet die Möglichkeit, Backups zu verschlüsseln. Das ist besonders wichtig, wenn eure Festplatte gestohlen wird oder verloren geht. Niemand möchte, dass persönliche Daten, Passwörter oder Finanzdokumente in fremde Hände geraten.
Wenn ihr die Festplatte in Time Machine einrichtet, setzt einfach einen Haken bei „Backups verschlüsseln“. Ihr müsst ein Passwort vergeben – notiert es euch gut, denn ohne dieses Passwort sind eure Backups nicht wiederherstellbar. Alternativ könnt ihr auch direkt im Festplattendienstprogramm beim Formatieren „APFS (verschlüsselt)“ oder „Mac OS Extended (Journaled, verschlüsselt)“ wählen.
Warnsignale erkennen: Wenn Time Machine streikt
Selbst wenn ihr alles richtig gemacht habt, lohnt sich ein gelegentlicher Blick auf den Backup-Status. Öffnet die Time Machine-Einstellungen und prüft, wann das letzte Backup erstellt wurde. Liegt es mehrere Tage zurück, stimmt etwas nicht.
Typische Anzeichen für Probleme mit dem Dateisystem sind Fehlermeldungen wie „Das Backup konnte nicht abgeschlossen werden“ oder „Das Backup-Volume konnte nicht gemountet werden“. Oft hilft es, die Festplatte im Festplattendienstprogramm mit der Funktion „Erste Hilfe“ zu überprüfen. Diese Funktion findet und repariert kleinere Fehler im Dateisystem automatisch.
Wenn alles nichts hilft: Neuformatierung als letzte Lösung
Manchmal ist die Festplatte bereits so beschädigt oder inkonsistent formatiert, dass nur noch eine komplette Neuformatierung hilft. Das bedeutet zwar, dass alle bisherigen Backups verloren gehen, aber ein funktionierendes Backup-System ist wichtiger als korrupte alte Daten. Betrachtet es als Neustart – ab jetzt läuft alles sauber und zuverlässig.
Best Practices für zuverlässige Time Machine-Backups
Über das Dateisystem hinaus gibt es noch weitere Punkte, die ihr beachten solltet. Verwendet eine Festplatte, die mindestens doppelt so groß ist wie der belegte Speicher auf eurem Mac. Time Machine löscht automatisch alte Backups, wenn der Platz knapp wird, aber mit ausreichend Puffer habt ihr längere Zeitfenster für die Wiederherstellung.
Trennt die Festplatte nicht während eines laufenden Backups. Das klingt selbstverständlich, passiert aber häufiger als gedacht – besonders bei Laptops, die ihr schnell einpacken wollt. Wartet lieber die paar Minuten, bis Time Machine fertig ist.
Idealerweise solltet ihr zwei Backup-Lösungen haben: eine lokale Time Machine-Festplatte für schnelle Wiederherstellungen und eine Cloud-Lösung oder zweite externe Festplatte an einem anderen Ort für den Fall größerer Katastrophen wie Brand oder Diebstahl. Doppelt hält besser – gerade bei irreversiblen Daten wie Fotos oder Arbeitsprojekten.
Die wenigen Minuten, die ihr in die korrekte Formatierung eurer Backup-Festplatte investiert, können euch später Stunden oder sogar Tage der Verzweiflung ersparen. Ein Check des Dateisystems vor der ersten Nutzung gehört zur digitalen Hygiene – genau wie regelmäßige Backups selbst. Euer zukünftiges Ich wird es euch danken, wenn der Mac streikt und ihr entspannt auf funktionierende Backups zurückgreifen könnt.
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